Abstract:
Germany's education system is in the midst of privatization. Although this trend, which started in the 1980s, ostensibly parallels neoliberal education reforms across Europe and the Anglophone world, Germany's case is a special one. Privatization in the country is happening within a historical and legal context that favors public schooling; however, families increasingly exercise school choice to select "the best" for their children. The tension between historically and legally informed norms, on the one hand, and affective desires, on the other, is morally problematic for parents navigating between what is generally accepted as good for society and what they believe is good for an individual. At stake in this struggle is whether school choice becomes a "legitimate" part of the German education system, in a Bourdieusian sense. If it does, it risks strengthening social class closure mechanisms and heightening resultant social class anxiety.
Abstract (Translated):
Das deutsche Bildungssystem befindet sich in einem tiefgreifenden Privatisierungsprozess. Obwohl dieser Trend bereits in den 1980er-Jahren eingesetzt hat und vordergründig betrachtet den neoliberalen Bildungsreformen in Europa und der englischsprachigen Welt ähnelt, ist der deutsche Fall eine Besonderheit. Privatisierung vollzieht sich hierzulande in einem historischen und rechtlichen Kontext, der das öffentliche Schulwesen begünstigt; dennoch treffen Familien zunehmend bewusst eine Schulwahl, um "das Beste" für ihre Kinder auszuwählen. Die Spannung zwischen historisch und rechtlich geprägten Normen einerseits und affektiven Wünschen andererseits schafft eine moralische Problematik: Eltern müssen zwischen dem, was allgemein als gut für die Gesellschaft gilt, und dem, was sie individuell für das Beste halten, navigieren. Im Kern dieser Auseinandersetzung steht die Frage, ob Schulwahl im Sinne Bourdieus zu einem "legitimen" Bestandteil des deutschen Bildungssystems wird. Sollte es dazu kommen, könnte der Übergang in höhere soziale Klassen schwieriger werden und die daraus resultierende soziale Klassenangst steigen.