Abstract:
In diesem Beitrag quantifizieren Andreas Baur und Lisandra Flach die ökonomischen Potenziale einer europäischen Freihandelsoffensive für die EU-Mitgliedstaaten. Angesichts der Erosion des multilateralen Handelssystems und einer protektionistischen Handelspolitik der Vereinigten Staaten kommt dem Ausbau des europäischen Netzwerks an Handelsabkommen eine doppelte Bedeutung zu: Zum einen können sie helfen, einen regelbasierten Handelsraum jenseits der WTO zu sichern und strategische Partnerschaften zu vertiefen. Zum anderen können Handelsabkommen Wachstumsimpulse generieren und negative Effekte der US-amerikanischen Zollpolitik kompensieren. Mithilfe eines quantitativen allgemeinen Gleichgewichtsmodells simulieren die Autoren die wirtschaftlichen Auswirkungen von Handelsabkommen mit sieben Partnerländern beziehungsweise Ländergruppen. Abkommen mit diesen Ländern könnten demnach die negativen Folgen der US-amerikanischen Zölle nicht nur ausgleichen, sondern in einen positiven Wachstumsimpuls umkehren: Je nach Tiefe der Abkommen steigt das reale BIP der EU um 0,22 bis 0,47 Prozent, wobei alle EU-Mitgliedstaaten profitieren.