Zusammenfassung:
Die Debatte um eine Randbebauung des Tempelhofer Feldes in Berlin ist ein räumlicher Zielkonflikt zwischen lokalem Freiraum und stadtweitem Wohnraumpotenzial. Der Beitrag untersucht, wie sich dieser Konflikt in Abstimmungsverhalten und Wohnungsmarkt niederschlägt. Grundlage sind kleinräumige Abstimmungs-, Miet- und Zensusdaten auf Ebene der Wahlbezirke. Die Ergebnisse zeigen, dass feldnahe Angebotsmieten nach der Öffnung des Areals stärker stiegen als in Vergleichsgebieten und dass die Unterstützung für den vollständigen Erhalt des Tempelhofer Feldes räumlich deutlich konzentriert war. Dieses Muster bleibt auch nach Berücksichtigung beobachtbarer sozialräumlicher Unterschiede sichtbar. Die Befunde sprechen dafür, dass die aktuelle Debatte nicht allein als Frage stadtweiten Wohnraumpotenzials verstanden werden sollte. Sie berührt auch die Frage, wie lokal konzentrierte Freiraumpräferenzen und eine frühere direktdemokratische Entscheidung unter veränderten wohnungspolitischen Bedingungen neu zu gewichten sind.