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https://hdl.handle.net/10419/342425 Title:
Authors:
Year of Publication:
2026
Series/Report no.:
IW-Report No. 29/2026
Publisher:
Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Köln
Abstract:
Die alternde Bevölkerung in Deutschland erhöht den Druck auf die sozialen Sicherungssysteme und verschärft (künftig) den Fachkräftemangel. Um die Lebensarbeitszeit zu verlängern, wurden in den letzten Jahren finanzielle Anreize geschaffen, insbesondere durch die Abschaffung der Hinzuverdienstgrenze für vorgezogene Renten und seit 2026 durch steuerliche Vorteile für Erwerbstätigkeit über die Regelaltersgrenze hinaus im Rahmen der "Aktivrente". Historisch war der Hinzuverdienst parallel zum vorzeitigen Rentenbezug stark begrenzt, und zwar auf 6.300 Euro jährlich bis zur Heraufsetzung der Hinzuverdienstgrenze im Jahr 2020. Dies führte dazu, dass viele Rentnerinnen und Rentner, die vorzeitig in Rente gegangen waren, bis zum Jahr 2020 eine geringfügige Beschäftigung wählten. Nach zweimaliger Heraufsetzung der Hinzuverdienstgrenze in den Jahren 2020 und 2021 wurde die Hinzuverdienstgrenze zum Jahresbeginn 2023 vollständig abgeschafft. Seitdem können vorzeitige Altersrentnerinnen und -rentner unbegrenzt hinzuverdienen, ohne dass der Hinzuverdienst mit der Rente verrechnet wird. Durch die Reformen der Hinzuverdienstgrenze ist das bisherige Prinzip, dass Rente Erwerbseinkommen ersetzt, aufgehoben, da nun ein paralleler Bezug von unbegrenztem Einkommen und voller Rente möglich ist. Seit dem vollständigen Wegfall der Hinzuverdienstgrenze 2023 nimmt die Zahl der vorzeitig Verrenteten mit einem sogenannten "großen Hinzuverdienst", der über die ehemals geltende Hinzuverdienstgrenze hinausgeht, zu. Gleichzeitig hat sich konjunkturell bedingt der Arbeitsmarkt seit 2023 eingetrübt, was auch die Beschäftigungschancen Älterer und im Besonderen die Chancen von Rentnerinnen und Rentnern, die bereits Einkommen in Form einer Rente beziehen, verschlechtern könnte. Eine Auswertung von Daten der Deutschen Rentenversicherung in der Vollerhebung für die Jahre 2018 bis 2024 zeigt, dass der Anteil der vorzeitigen Rentner mit großem Hinzuverdienst auch 2024 trotz Eintrübung des Arbeitsmarktes weiter steigt. Zwar schwächt sich die Dynamik im Vergleich zum Anstieg zwischen 2022 und 2023 ab. Trotzdem ist der Anstieg bei den vorzeitigen Rentnern weiterhin stärker als bei den Regelaltersrentnern. Wegen der Nachmeldungen von Beschäftigung ist davon auszugehen, dass die am aktuellen Rand für 2024 ausgewiesenen Werte noch untererfasst sind. Langjährig Versicherte und Altersrentnerinnen und -rentner, welche aufgrund einer Schwerbehinderung vorzeitig eine Altersrente beziehen, gehen seit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenze im Durchschnitt früher in Rente. Zudem erzielen sie mittlerweile vergleichbare Entgelte wie die Personen, die zum gesetzlichen Renteneintrittsalter in Rente gegangen sind. Das unterminiert das mit der Anhebung der Regelaltersgrenze verbundene Ziel, den Rentenbezug ins Alter zu verschieben. Zudem entscheidet sich seit 2020 ein höherer Anteil an Personen für einen vorzeitigen Renteneintritt mit Abschlägen. Unter der Prämisse, dass der Vorruhestand nicht ohne Zusatzlasten organisiert werden kann (Pimpertz, 2023), erhöht der Wegfall der Hinzuverdienstgrenze die Belastung der Gesetzlichen Rentenversicherung ausgabenseitig.
Abstract (Translated):
The ageing population in Germany is increasing pressure on the social insurance systems and will (in the future) exacerbate the shortage of skilled labour. To extend working lives, financial incentives have been created in recent years, in particular through the abolition of earnings limits for early retirees and, since 2026, through tax advantages for employment beyond the statutory retirement age under the so-called "active pension" (Aktivrente). Historically, additional earnings alongside early retirement were strictly limited, to €6,300 per year until the earnings limit was raised in 2020. As a result, many retirees who took early retirement opted for marginal employment up to 2020. After the earnings limit was increased twice in 2020 and again in 2021, it was completely abolished at the beginning of 2023. Since then, early retirees have been able to earn unlimited additional income without it being offset against their pension. As a result of these reforms, the previous principle that pensions replace earned income has effectively been abolished, since it is now possible to receive both unlimited income and a full pension simultaneously. Since the complete removal of the earnings limit in 2023, the number of early retirees with so-called "high additional earnings," i.e. earnings exceeding the former limit, has increased. At the same time, however, the labour market has deteriorated since 2023 due to cyclical factors, which may also reduce employment opportunities for older workers, particularly for retirees who already receive pension income. An analysis of German Pension Insurance full-sample data for the years 2018 to 2024 shows that the share of early retirees with high additional earnings continued to rise in 2024 despite the deterioration in the labour market. Although the pace of growth has slowed compared with the increase between 2022 and 2023, it remains stronger among early retirees than among retirees at the statutory retirement age. Due to delayed employment reporting, it can be assumed that the figures reported for 2024 are still somewhat underestimated. Persons with long contribution histories and retirees with severe disabilities have, on average, been retiring earlier since the abolition of the earnings limit. Moreover, they now earn income comparable to those who retired at the statutory retirement age. This undermines the objective associated with raising the statutory retirement age, namely increasing the effective working life. In addition, since 2020 a higher proportion of individuals has opted for early retirement with benefit reductions. Early retirement thus increases expenditure pressure on the statutory pension insurance system.
JEL:
H55
J14
J26
J14
J26
Persistent Identifier of the first edition:
Document Type:
Research Report
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