Zusammenfassung:
Der demografische Alterungsprozess, der in Deutschland besonders ausgeprägt ist, tritt nun in eine akute Phase. Aufgrund der Renteneintritte der "Baby boomer" schrumpft die Zahl der Erwerbstätigen in den nächsten Jahren. Gleichzeitig wächst die Zahl der Leistungsempfängerinnen und -empfänger der Sozialversicherungen. Durch diese Entwicklung stehen die größtenteils umlagefinanzierten Sozialversicherungen unter Druck. Langfrist-Simulationen zeigen, dass die Beitragssätze der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV), der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Sozialen Pflegeversicherung (SPV) steigen. Unter geltendem Recht und basierend auf Annahmen der jüngsten Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes erhöht sich der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz von 41,0 % in 2024 auf 47,7 % in 2035, 53,7 % in 2050 und auf bis zu 59,8 % im Jahr 2080. Sensitivitätsanalysen mit abweichenden Annahmen zur zukünftigen Entwicklung der Bevölkerung, des Arbeitsmarktes und des Produktivitätswachstums stützen die Analyse. Ergänzend werden Risikovarianten sowie Reformszenarien für die GKV und die SPV betrachtet. Insbesondere für die SPV zeigen sich dabei Handlungsoptionen, mit denen sich der langfristig absehbare Anstieg des Beitragssatzes stark dämpfen ließe. In der GKV haben kontinuierlich steigende Beitragssätze bislang nur wenig mit demografischer Alterung, sondern mit Ineffizienzen im deutschen Gesundheitswesen sowie mit Effekten des medizinisch-technischen Fortschritts zu tun. Konkrete Ansatzpunkte zu finden, um den projizierten Anstieg des GKV-Beitragssatzes nicht nur vorübergehend aufzuhalten, sondern langfristig zu begrenzen, erweist sich als schwierig. Die hier dokumentierten Analysen waren Grundlage für das Frühjahrsgutachten 2026 des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.