Abstract:
Im Schienenpersonenfernverkehr entstehen zunehmend neue Angebote auf nachfragestarken Verbindungen. Diese Entwicklung ist wettbewerbspolitisch zu begrüßen. Sie legt aber ein institutionelles Problem offen: Der Zugang zu besonders attraktiven Trassen ist bislang kaum systematisch mit den Netzbeiträgen anderer Fernverkehrsleistungen verknüpft. Der Beitrag entwickelt ein Trassencredit-System als regelgebundenen Allokationsrahmen: Für besonders knappe Premiumtrassen müssen Credits eingesetzt werden; netzergänzende Fernverkehrsleistungen erzeugen Credits. Bewertet werden ausschließlich objektivierbare Verkehrsleistungen, nicht die historischen Kosten eines etablierten Betreibers. Ordnungsökonomisch überführt das Modell eine bislang implizite Netzverantwortung in ein regulatorisch definiertes, handelbares Nutzungsrecht innerhalb einer regelgebundenen Wettbewerbsordnung. Seine Tragfähigkeit hängt davon ab, ob zwei Fehlerquellen institutionell beherrscht werden: die Marktmacht eines dominanten Anbieters im Creditmarkt und die Vereinnahmung der Bewertungsregel.
Abstract (Translated):
Open-access competition is bringing new long-distance rail services to high-demand routes. This is a welcome development from a competition-policy perspective, but it reveals an institutional problem: access to especially attractive paths is only weakly connected to the network contributions generated by other long-distance rail services. This paper proposes a track-credit scheme as a rule-bound allocation framework. Scarce premium paths require credits, while network-complementary services generate them. Valuation rests on observable transport outputs, not on the historical costs of an incumbent operator. The scheme converts an implicit network contribution into a regulatorily defined, tradable usage right within a rule-bound competitive order, provided two failure modes, incumbent market power and capture of the scoring rule, are contained.